"Alte Herren" und "Sauwohl" – über 130 Jahre Sandvoß

Auf diesem Foto aus den 30ern ist noch das Schild mit der Aufschrift "Cigarren & Cigaretten Geschäft Heinrich Sandvoss" zu erkennen. Im Vordergrund: Heinrichs Töchter.
Auf diesem Foto aus den 30ern ist noch das Schild mit der Aufschrift "Cigarren & Cigaretten Geschäft Heinrich Sandvoss" zu erkennen. Im Vordergrund: Heinrichs Töchter.

Die Ursprünge der Familie Sandvoß liegen im Ort Petze in der Gemeinde Sibbesse, wo um 1825 Ernst Sandvoß geboren wurde, der als Zimmermann arbeitete. Sein Sohn Johann Heinrich Ernst kam spätestens 1885 nach Heinde. Seitdem sind wir jenem Ort an der Innerste treu geblieben.

 

Unsere Familie lebte zunächst in einem Haus auf der anderen Straßenseite, das schon gar nicht mehr existiert. Zigarrenfabrikant Johann Sandvoß handelte nachweislich spätestens seit 1885 mit Tabakwaren aus eigener Herstellung und baute im Jahre 1897 das Gebäude Hauptstraße Nr. 17, damals unter der schlichten Adresse "Heinde 89".

 

Nach einer Unterbrechung der Fabrikation im ersten Weltkrieg, setzte Johann Sandvoß die Produktion mit drei Mitarbeitern fort.

 

Notdürftig in den Stein geritzt und noch heute zu lesen: "Lattmann".
Notdürftig in den Stein geritzt und noch heute zu lesen: "Lattmann".

In den zwanziger Jahren fertigten die vier Männer von Hand pro Tag 4000 Zigarren der Marke "Alte Herren". Bis auf eine Unterbrechung in der Zeit der großen Inflation herrschte Hochkonjunktur. In den 1930ern wurde die Tabakwarenproduktion von den Nazis unter Kartell gestellt, Johann Sandvoß verlor damit sein Recht Zigarren herzustellen.

 

Sein Sohn Heinrich Friedrich Ernst Sandvoß verlegte nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und der Einführung der D-Mark die Geschäfte in andere Bereiche. Man handelte mit Futtermitteln und technischen Ölen und Fetten, die aus Bremen geliefert wurden. 

Reinhold Sandvoß und seine Frau Christa im alten Stubenladen, Anfang der 70er Jahre.
Reinhold Sandvoß und seine Frau Christa im alten Stubenladen, Anfang der 70er Jahre.

Beispielhaft für solche Produkte waren etwa das Schweinezusatzfutter der Marke „Sauwohl“ oder auch das "Petrolatum", das aus Boston in den vereinigten Staaten bis nach Heinde kam. Später wurden Waschmittel und Seifen zum Sortiment hinzugefügt. Ausgeliefert wurden die Waren mit der Eisenbahn und dem Fahrrad, später mit dem Auto. Heinrich Sandvoß betrieb diesen Handel ganz ohne Ladengeschäft. Jedoch hatte der Friseur Lattmann, der heute im kurzen Hagen in Hildesheim einen Salon betreibt, sein Friseurgeschäft im Hause Sandvoß, was noch am Hauseingang zu erkennen ist.

 

Reinhold Sandvoß, der Enkel des Gründers Johann, absolvierte nach dem Krieg eine Ausbildung zum Kaufmann und eröffnete ca 1954 in der Hauptstraße einen Stubenladen, der später um ein weiteres Zimmer des Hauses erweitert wurde.


Heinrich und Dorette Sandvoß bei der Eröffnung der Filiale in Listringen, 6. September 1957.
Heinrich und Dorette Sandvoß bei der Eröffnung der Filiale in Listringen, 6. September 1957.

Erst seit der Zeit wird hauptsächlich mit Lebensmitteln gehandelt, die man damals teilweise noch "Kolonialwaren" nannte, ein Begriff, der vor allem überseeische Lebens- und Genussmittel, wie etwa Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee bezeichnete.

 

Ab 1957 betrieb sein Vater Heinrich Sandvoß mit seiner Frau Dorette ein kleines Ladengeschäft im Nachbarort Listringen, gewissermaßen eine Filiale. Gut 20 Jahre später folgte der erste Spatenstich zum Bau eines Anbaus an das alte Haus, dem heutigen Laden in Heinde.

 

1986, zum mehr als 100-jährigen Bestehen der Firma Sandvoß, übernahm Urenkel York Sandvoß den Laden von seinem Vater und betreibt ihn seitdem. Reinhold Sandvoß führte die Geschäfte in Listringen bis kurz vor seinem Tode im Jahr 2006 fort, die Filiale schloss im Jahre 2012 aus wirtschaftlichen Gründen. Von 1990 bis 2002 gehörten auch Blumen zum Angebot des Lebensmittelgeschäftes in Heinde. Seit 2005 ist – wie in den 50er Jahren – wieder ein Friseur im Hause Sandvoß, nun das Haarstudio Collado.

 

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